Introduction: State failure in SomaliaThis is a featured page

I. Einleitung: Der Staatszerfall in Somalia Als Gegenstand Politik-wissenschaftlicher Forschung

1. Thematische Einführung

Das im Mittelpunkt dieser als Fallstudie konzipierten Arbeit stehende ostafrikani­sche Land Somalia gilt als das Exempel für Staatszerfall.[1] Seit bewaffnete Oppositions­gruppen im Januar 1991 Siyad Barre – den langjährigen, autoritär regie­renden Herrscher – aus der Hauptstadt Mogadischu vertrieben haben, existiert hier keine das gesamte Gebiet kontrollierende staatliche Regierung mehr.

Das Phänomen ‚Staatszerfall’ hat seit den Anschlägen vom 11. September 2001 hohe politische Aufmerksamkeit erhalten. Sowohl die Nationale Sicherheitsstrategie der USA (2002) als auch die Europäische Sicherheitsstrategie betonen, dass gescheiterte Staaten eine internationale Sicherheitsbedrohung darstellen.[2] Dabei handelt es sich keineswegs um ein neues Problem, wie der in dieser Arbeit untersuchte Fall Somalia deutlich belegt. Somalia kann seit 1991 als ‚gescheiterter’ bzw. ‚kollabierter Staat’ bezeichnet werden.[3] Weitere Fälle der 1990er Jahre waren u.a. Sierra Leone und Liberia in Westafrika, Afghanistan sowie Jugoslawien. Neu ist jedoch die Perspek­tive der westlichen Politik und Öffentlichkeit auf das Problem des Staatszerfalls in Entwicklungsländern bzw. der lange Zeit so genannten „Dritten Welt“. Die An­nahme, dass das transnationale Terrornetzwerk Al-Kaida in Afghanistan einen „si­cheren Hafen“ zur Vorbereitung der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon gefunden hatte, führte vor Augen, dass die interne Schwäche eines Staates durchaus zu einer Bedrohung der nationalen Sicherheit von westlichen Staaten wer­den kann.[4]

Wie in dieser Arbeit zu zeigen sein wird, handelt es sich bei Staatszerfall zwar um ein genuin „inneres“ Problem – den Untergang von Staaten durch „Eroberung“ von stärkeren Staaten erfasst die Kategorie nicht – der externe Kontext spielt jedoch eine entscheidende Rolle für dessen Ursachen und Folgen. So ist dieses Thema an der Schnittstelle zwischen politischer Systemlehre und der Lehre von den Internationa­len Beziehungen anzusiedeln. Für Letztere stellt die Beschäftigung mit dem Zerfall von Staaten auch in theoretischer Hinsicht eine interessante Aufgabe dar. Die Theo­rien der Internationalen Beziehungen lassen sich laut der Englischen Schule in drei Denkschulen gruppieren.[5] Zwei dieser – die Realisten und die Internationalisten – nehmen an, dass die Staaten die wesentlichen Akteure des internationalen Sys­tems/der internationalen Gesellschaft darstellen. Die Universalisten weisen statt­dessen transnationalen Verbindungen die größte Bedeutung zu. Der Zerfall von Staaten und die vollständige Auflösung von Staatlichkeit – wie sie sich in Somalia nach 1991 zeigte – stellt die Annahme der Zentralität von Staaten zumindest teil­weise in Frage. Nichtstaatliche Akteure hingegen scheinen in zerfallenden Staaten zunehmend an Einfluss, der auch über die Grenzen des Staates hinweg (also trans­nationaler Natur ist) wirken kann, zu gewinnen.[6]

2. Entwicklung Der Fragestellung und Begründung der Auswahl des Falls Somalia

Den Ausgangspunkt des hier verfolgten Vorhabens bildeten zwei Irritationen:

1. Die Intensität und Persistenz der Auflösung von Staatlichkeit in Somalia lässt vermuten, dass dieser Fall innerhalb der politikwissenschaftlichen Staatszerfalls­forschung eine prominente Stellung einnimmt. Eine Durchsicht der relevanten For­schungsliteratur zeigt jedoch, dass das Konzept des Staatszerfalls bislang kaum sys­tematisch auf Somalia angewendet worden ist.[7]

2. Die Erfolgsaussichten des somalischen Staates bei der Entlassung in die Unab­hängigkeit 1960 schienen im Vergleich zu vielen anderen afrikanischen Staaten hoch. Grund für diese Einschätzung war vor allem die Annahme, dass Somalia tat­sächlich eine ethnisch, sprachlich und kulturell homogene „Nation“ sei: Bis auf we­nige Minderheiten bildeten nur Somali das Staatsvolk Somalias. Neben dem Glau­ben an einen gemeinsamen Ursprung stachen vor allem die gemeinsame Sprache und Religion – sunnitischer Islam – sowie die überwiegend pastoral-nomadische Lebensweise hervor.[8] Diese augenscheinliche Homogenität wirft die Frage auf, warum dieser Staat vollständig zerfiel und welche Folgen dies entfaltete.

Aus diesen beiden Befunden ergibt sich die zentrale Fragestellung dieser Untersuchung:

Kann der somalische Staatszerfall in seinen Ursachen und Folgen auf Basis von politikwissenschaftlichen Ansätzen erklärt werden?

Die Auswahl Somalias basiert über die beiden Irritationen hinaus auf folgenden Überlegungen: Da der Staatskollaps – verstanden als das vollständige Verschwinden des Staates und damit extreme Ausprägung von Staatszerfall – bereits mehrere Jahre zurückliegt, können vor allem die Ursachen mit ausreichend großem zeitli­chem Abstand analysiert werden. Darüber hinaus ist die Auswahl eines afrikani­schen Falles interessant, weil das Problem des Staatszerfalls zwar kein rein afrikani­sches Problem darstellt, hier aber relativ gesehen am häufigsten auftritt.[9]

3. Methodisches Vorgehen und Aufbau der Arbeit

Die zentrale Fragestellung erfordert eine Zweiteilung der Analyse. Im ersten Teil soll das politikwissenschaftliche Konzept des Staatszerfalls – der Begriff ‚Konzept’ soll die Gesamtheit der politikwissenschaftlichen Beschäftigung mit diesem Thema bezeichnen – erschlossen werden. Ziel ist es, ein Analyseraster zu entwickeln, wel­ches eine systematische Untersuchung des Falls ermöglicht. Dabei werden zwei Schritte zu leisten sein:

1. In den theoretischen Vorüberlegungen muss sich zunächst mit der Substanz des Zerfalls – dem Staat – auseinandergesetzt werden. Dies soll aus zwei Perspektiven geschehen. Zunächst sollen wichtige sozialwissenschaftliche Staatsdefinitionen vor­gestellt werden. Im Anschluss daran sollen – um die empirische Fallanalyse bereits vorzubereiten – Besonderheiten afrikanischer Staatlichkeit diskutiert werden. Dies scheint notwendig, weil sich diese Staaten maßgeblich von ihren westlichen „Vor­bildern“ unterscheiden. Ziel ist es, eine Definition von Staatlichkeit abzuleiten, welche die spezifischen Bedingungen afrikanischer Staaten erfassen kann und damit auch das Konzept des Staatszerfalls erst operationalisierbar macht. Die Vorüberle­gungen schließen mit einer Diskussion der verschiedenen Begriffe, die für das Phänomen ‚Staatszerfall’ in der politikwissenschaftlichen Debatte Verwendung fin­den.

2. Die Analyse der wichtigsten politikwissenschaftlichen theoretischen Ansätze – die Auswahl erfolgte hier vor allem aufgrund deren zentraler Stellung in der For­schungsliteratur – soll dann die Frage nach den Ursachen und Folgen von Staats­zerfall aufgreifen. Die Analyse verschiedener Ansätze wird notwendig, weil keine umfassende „Theorie des Staatszerfalls“ existiert. Dieser Zustand ist jedoch typisch für die Politik- bzw. Sozialwissenschaft und liegt in der Natur des Gegenstandes selbst begründet.[10] Die einzelnen Ansätze beleuchten spezifische Aspekte und neh­men teilweise sehr unterschiedliche Perspektiven auf das Phänomen ‚Staatszerfall’ ein. Diese sollen herausgearbeitet und im Lichte der theoretischen Vorüberlegungen gewichtet werden. Damit wird ein synthetisierender Ansatz – dem Konzept der Eng­lischen Schule folgend – angewendet. Die Fusion der Erkenntnisse aus beiden Ana­lyseschritten soll dann ein für den somalischen Fall geeignetes Analyseraster erge­ben.

Im zweiten, empirischen Teil der Arbeit sollen die Ursachen und Folgen des Staats­zerfalls in Somalia anhand des Analyserasters untersucht werden. So ist es möglich, die komplexen Entwicklungen zu ordnen. Hierbei sollen systematisches und ent­wicklungsgenetisches Vorgehen miteinander kombiniert werden, da es sich – wie im Theorieteil noch herauszuarbeiten sein wird – bei Staatszerfall um einen langwieri­gen Prozess handelt. Die Analyse der Folgen soll sich auf den Zeitraum bis Ende des Jahres 2005 beschränken. Demzufolge werden die aktuellen Entwicklungen (d.h. Ende 2006/Anfang 2007), die Somalia seit langem wieder auf die Titelseiten der nationalen und internationalen Presse gebracht haben, nicht berücksichtigt. Eine wissenschaftlichen Kriterien genügende Analyse dieser Ergebnisse würde ein um­fangreiches Studium verschiedener Primärquellen erforderlich machen, was im Rahmen dieser Untersuchung nicht geleistet werden kann. Alle Aussagen beziehen sich so auf den Zeitraum bis Ende des Jahres 2005.[11]

Im Fazit sollen die Ursachen und Folgen des somalischen Staatszerfalls dann zu­nächst zusammengefasst werden. Darüber hinaus kann die Erklärungskraft der po­litikwissenschaftlichen Ansätze für den Staatszerfall in Somalia abschließend einge­schätzt werden. Dabei sollen auch sich eventuell zeigende Defizite der Theoriebil­dung benannt werden.

4. Zum Forschungsstand und der Quellenlage sowie dem Wissenschaftlichen Beitrag dieser Arbeit

Insbesondere in den letzten Jahren sind zahlreiche Publikationen zum Thema ‚Staatszerfall’ erschienen.[12] Die Politikwissenschaft beschäftigte sich jedoch bereits in den 1990er Jahren mit diesem Problem, auch wenn das Begriffsfeld ‚Staatszerfall’ dabei noch selten auftauchte. Wichtige Grundlagen legte so Jackson mit seiner Un­tersuchung zu „Quasi-Staaten“.[13] Den eigentlichen Anstoß der Forschung gab dann der von Zartman herausgegebene Sammelband „Collapsed States. The Disintegra­tion and Restoration of Legitmate Authority“.[14] Viele neuere Beiträge konzentrieren sich auf die internationale Dimension von Staatszerfall, d.h. die Gefährdung von internationaler Sicherheit durch das Problem und die Möglichkeiten externer Ak­teure hier präventiv zu intervenieren. Hier ist auch das deutsche Forschungsprojekt States at Risk, durchgeführt von der Stiftung Wissenschaft und Politik, einzuord­nen.[15]

Diese Arbeit wird im Rahmen der theoretischen Vorüberlegungen darüber hinaus auf einen weiteren wichtigen und umfangreichen Literaturkorpus zurückgreifen: Die Forschung zu den Besonderheiten des Staates in Entwicklungsländern, speziell in Afrika.[16]

Der Forschungsstand zu Somalia besticht durch sein Interdisziplinarität. Grundlage stellt zunächst die ethnologische Forschung dar. Hier muss insbesondere auf Lewis, einen britischen Somalia-Experten verwiesen werden, der sich seit den 1950er Jah­ren mit dem Horn von Afrika und den Somali beschäftigt hat. Seine Monographien „A Pastoral Democracy“ und „A Modern History of the Somali“ bilden den Aus­gangspunkt für die Beschäftigung mit der Geschichte und der Gesellschaft der So­mali.[17] Beachtet werden müssen darüber hinaus die Beiträge einer Reihe von somali­schen Autoren aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen.[18] Im Bereich der Politikwissenschaft existieren einige Fallstudien zu Somalia. Viele verweisen im Titel auf das Problem des Staatszerfalls, wenden dieses jedoch nicht systematisch an. Eine äußerst aufschlussreiche Studie stammt von Maria Brons, die den Zusammen­hang von Staatlichkeit und der Bereitstellung von Sicherheit für Somalia unter­sucht.[19] Für die Entwicklungen nach dem Staatskollaps 1991 liegt ein Schwerpunkt der wissenschaftlichen Forschung auf der humanitären Intervention in Somalia.[20] Insbesondere für die Periode nach 1995 gibt es nur wenige detaillierte politikwissen­schaftliche Studien. Eine Ausnahme bildet hier die Untersuchung von Menkhaus, einem der wichtigsten politikwissenschaftlichen Somaliaanalysten.[21] Aufgrund der schwierigen Quellenlage muss vor allem für die Analyse der Folgen des Staatskollap­ses auf VN-Dokumente und Studien von Nichtregierungsoganisationen zurückge­griffen werden, die meist im Internet frei verfügbar sind.

Diese Untersuchung kann in dreifacher Hinsicht einen wissenschaftlichen Beitrag leisten.
1. Indem das politikwissenschaftliche Konzept des Staatszerfalls systematisch auf den somalischen Fall Anwendung findet, wird das identifizierte Defizit der Forschung aufgegriffen und bearbeitet.
2. Das im Rahmen der Untersuchung entwickelte Analyseraster kann die Grundlage weiterer Fallstudien darstellen. Dabei wird vermutet, dass es vor allem für afrikanische Fälle geeignet ist.
3. Es besteht die Möglichkeit, dass die Fallanalyse Lücken der Theoriebil­dung offenbart, so dass von dieser Untersuchung auch ein theoretischer Im­puls ausgehen kann.


Source: chachabooth@gmail.com

Endnotes:
[1] Vgl. hier zum Beispiel die Einschätzung des Somalia-Experten Ken Menkhaus: „Somalia is a failure among failed states.“ (Menkaus, Ken, Somalia: State Collapse and the Threat of Terrorism (=Adelphi Paper, Nr. 364), Oxford u.a. 2004, S. 17).
[2] Vgl. hier: The National Security Strategy of the United States of America, September 2002, S. 1 (online verfügbar unter: http://www.whitehouse.gov/nsc/nss.pdf, am: 23.11.2006). Europäische Union, Ein sicheres Europa in einer besseren Welt. Europäische Sicherheitsstrategie, Brüssel 12.12.2003, S. 4 (online verfügbar unter: http://ue.eu.int/uedocs/cmsUpload /031208ESSIIDE.pdf, am 10.07.2006) .
[3] Die verschiedenen Begriffe und Definitionsmöglichkeiten werden im Kapitel „Theoretische Vorüberlegungen“ (II.1.3) behandelt.
[4] Rubin hatte den Staatszerfall in Afghanistan bereits 1995 analysiert: Rubin, Barnett R., The Fragmentation of Afghanistan – State Formation and Collapse in the International System, New Haven 1995.
[5] Zur Englischen Schule vgl. vor allem Wight, Martin, International Theory. The Three Traditions, Leicester/London 1991. Bull, Hedley, The Anarchical Society. A Study of Order in World Politics, 3. Aufl., New York 2002 (Erstaufl. 1977). Die Englische Schule unterscheidet folgende drei Denktraditionen der Internationalen Theorie: 1. Realisten bzw. Hobbesianer 2. Internationalisten bzw. Grotianer sowie 3. Universalisten bzw. Kantianer. Die Realisten betonen laut Englischer Schule die internationale Anarchie und begreifen die Internationalen Beziehungen als Nullsummenspiel. Dieses sei grundsätzlich vom Konflikt zwischen den Interessen der, als hauptsächliche Akteure betrachteten, Nationalstaaten geprägt. Die internationalistische Denktradition hingegen begreife den Austausch und die Kooperation zwischen den Staaten als bestimmendes Merkmal der Internationalen Politik. Die Staaten seien zwar auch hier die hauptsächlichen Akteure, ihr Verhalten werde aber von gemeinsamen Interessen und Institutionen gelenkt. Deswegen handle es sich um eine „anarchische Gesellschaft“ und um ein Nicht-Nullsummenspiel. Der Universalismus unterstreiche die Bedeutung von transnationalen Verbindungen zwischen den Individuen und gehe davon aus, dass potentiell eine Gemeinschaft aller Menschen („communitiy of mankind“) existiere. Laut Englischer Schule beinhaltet das internationale System alle drei Elemente: Konflikt, Kooperation und transnationale Verbindungen. Vgl. hierzu Bull, The Anarchical Society, S. 22-50.
[6] An dieser Stelle sei auf die Ausführungen Czempiels – einem neueren Vertreter des Universalismus – verwiesen, der einen Umbruch der Weltpolitik von der Staatenwelt zur Gesellschaftswelt konstatiert. Vgl. Czempiel, Ernst-Otto, Weltpolitik im Umbruch. Die Pax-Americana, der Terrorismus und die Zukunft der internationalen Beziehungen, München 2002.
[7] Viele Publikationen zu Somalia enthalten im Titel die Bezeichnungen „state failure“ oder „state collapse“, legen jedoch keine theoriegeleitete Untersuchung vor. Vgl. beispielsweise Lyons, Terrence/Samatar, Ahmed I., Somalia. State Collapse, Multilateral Intervention, and Strategies for Political Reconstruction (= Brookings Occasional Papers), Washington, DC 1995. oder Luling, Virginia, Come Back Somalia? Questioning a Collapsed State, in: Third World Quarterly, 18. Jg. (1997), Nr. 2, S. 287-302. Milliken und Krause weisen darauf hin, dass die extreme Form des Staatskollapses in der Forschung generell zu wenig in seiner spezifischen Qualität beachtet werde. Vgl. Milliken, Jennifer/Krause, Keith, State Failure, State Collapse, and State Reconstruction: Concepts, Lessons and Strategies, in: Milliken, Jennifer (Hg.), State Failure, Collapse and Reconstruction (= Development and Change), Oxford u.a. 2003, S. 1-21, hier S. 12.
[8] Diese Gemeinsamkeiten werden in der Forschungsliteratur immer wieder betont. Vgl. z. B. Laitin, David D./Samatar, Said S., Somalia. Nation in Search of A State, Boulder, Colo./London 1987, S. 21.
[9] Vgl. hier den von Fund for Peace und Carnegie Endowment entwickelten Failed States Index, der in der amerikanischen Fachzeitschrift Foreign Policy 2005 erstmals veröffentlicht wurde: Failed States Index 2005, in: Foreign Policy, Nr. 149, Juli/August 2005, S. 56-65. Im Failed States Index 2005 sind 7 (Elfenbeinküste, Demokratische Republik Kongo, Sudan, Somalia, Sierra Leone, Tschad, Liberia) der 10 instabilsten Staaten subsaharisch. Im Failed States Index 2006 (Failed States Index 2006, in: Foreign Policy, Nr. 154, Mai/Juni 2006, S. 50-58.) sind es 6 von 10 (Sudan, DR Kongo, Elfenbeinküste, Zimbabwe, Tschad, Somalia).
[10] Für die internationale Theorie („International Theory“) hat dies Bull herausgearbeitet. Vgl. Bull, Hedley, International Theory: The Case for a Classical Approach, in: Knorr, Klaus/ Rosenau, James N. (Hg.), Contending Approaches to International Politics, Princeton/NJ, 1969, S. 20-38. Die Natur des Gegenstandes selbst begründe die begrenzten Möglichkeiten allgemeingültige wissenschaftliche Erkenntnisse – formuliert in einer Theorie – zu erlangen. Der Gegenstand der Internationalen Theorie – i.e.S. das Verhalten und die Beziehungen der Staaten – sei durch eine nichthandbare Menge an möglichen Variablen gekennzeichnet, welche nicht einem kontrollierten Experiment unterzogen werden könnten. Zudem sei die Theorie mit der Realität durch Ursache-Wirkungszusammenhänge verbunden, so dass jede noch so „unschuldige“ theoretische Aussage selbst zu ihrer Verifikation oder Falsifikation beitrage. So müsse die Internationale Theorie in einer Debatte über Grundannahmen verhaftet bleiben. Vgl. ebd., S. 30.
[11] Die Wahl des Jahresendes 2005 als Begrenzung des Zeitrahmens folgt so primär aus praktischen Überlegungen (insbesondere Quellenlage). Darüber hinaus scheint das Jahr 2006 für die Entwicklung Somalias einen Wendepunkt darzustellen. Die Vorgänge sind jedoch zu dynamisch, um sie im Rahmen dieser Arbeit einschätzen zu können.
[12] Vgl. exemplarisch: Milliken, Jennifer (Hg.), State Failure, Collapse and Reconstruction (= Development and Change), Oxford u.a. 2003. Rotberg, Robert I. (Hg.), When States Fail. Causes and Consequences, Princeton/Oxford 2004. Chesterman, Simon/Ignatieff, Michael/Thakur, Ramesh (Hg.), Making States Work: State Failure and the Crisis of Governance, Tokyo/New York/Paris 2005.
[13] Vgl. Jackson, Robert H., Quasi-States. Sovereignty, International Relations and the Third World (= Cambridge Studies in International Relations, Bd. 12), Cambridge u.a. 1990.
[14] Vgl. Zartman, William I. (Hg.), Collapsed States. The Disintegration and Restoration of Legitimate Authority (= SAIS African Studies Library), Boulder, Colo. 1995.
[15] Vgl. Schneckener, Ulrich (Hg.), States at Risk. Fragile Staaten als Sicherheits- und Entwicklungsproblem (= SWP-Studie, S 43), Berlin 2004.
[16] Afrika meint in dieser Arbeit immer Afrika südlich der Sahara.
[17] Lewis, I. M., A Modern History of the Somali: Nation and State in the Horn of Africa (= Eastern African Studies), 4. rev. und aktual. Auflage, Oxford 2002 . Lewis, I. M., A Pastoral Democracy. A Study of Pastoralism among the Northern Somali of the Horn of Africa (= Classics in African Anthropology), Nachdruck der 2. Aufl. 1982, Erstaufl. 1961, Münster/Hamburg 1999.
[18] Vgl. vor allem die Sammelbände Adam, Hussein M./Ford, Richard (Hg.), Mending Rips in the Sky. Options for Somali Communities in the 21st Century, Lawrenceville, NJ 1997. und Samatar, Ahmed I. (Hg.), The Somali Challenge: From Catastrophe to Renewal?, Boulder, Colo. 1994. Ahmed, Ali Jimale (Hg.), The Invention of Somalia, Lawrenceville, NJ 1995.
[19] Vgl. Brons, Maria, Society, Security, Sovereignty and the State in Somalia: From Statelessness to Statelessness?, Utrecht 2001.
[20] Vgl. zum Beispiel Clarke, Walter/Herbst, Jeffrey (Hg.), Learning from Somalia. The Lessons of Armed Humanitarian Intervention, Boulder, Colo. 1997.
[21] Menkaus, Somalia: State Collapse and the Threat of Terrorism.



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